„Hauptsache gesund”

By Paul, January 10, 2010 8:28 pm

So, 2010 hat begonnen, morgen endet mein Urlaub, die Reise kann beginnen!

Ein guter Zeitpunkt, mir noch geschwind den Kopf zu richten. Mir sozusagen mit ein wenig Schmalspur-Philosophie ein Fundament zu bauen.

Dann lass mich doch mal sehen…

Meine Mutter sagt häufig: „ Hauptsache, wird sind gesund.“ Durchaus eine „gesunde“ Lebenseinstellung. Denn gesundsein ist eindeutig besser, als krank sein. Keine Frage. Aber das Pferd auf der Wiese kann gesund sein, und auch die frische Seeluft ist es. Trotzdem finde ich es nicht erstrebenswert, Pferd oder Seeluft zu sein. Die Lebenseinstellung meiner Mutter zeichnet sich durch Genügsamkeit aus.

Wenn die Dinge schwierig laufen, man kaum von der Stelle kommt und von den Zielen, die man sich gesetzt hat, keine Wirklichkeit werden, dann ist diese Genügsamkeit sicherlich ein Weg, doch noch ein wenig Zufriedenheit zu erreichen. Um diesem Schicksal zu entgehen entwickelt mancher ein großes Maß an Ehrgeiz. Ziele setzen und das Erreichen dieser Ziele mit größtem Einsatz folgt. Koste es was es wolle. Zwischen diesen beiden Polen, Ehrgeiz auf der einen Seite und Genügsamkeit auf der anderen, habe ich mich in meinem bisherigen Leben immer gerne bewegt.

Meinen eigenen Erwartungen und den vermuteten Erwartungen der anderen gerecht werden. Oder besser noch sie deutlich übertreffen. Ich habe mein Abitur gemacht und daraufhin ein technisches Studium absolviert. Immer mit Hochdruck daran gearbeitet, einen guten Abschluss zu bekommen und das Privatleben und „Work-Life-Balance“  darüber vergessen. Und dann noch berufsbegleitend ein BWL-Studium nachgeschoben. Haus gebaut, Kinder bekommen … möglichst alles gleichzeitig. Dann es aber nicht auf die Reihe gekriegt, wirklich Karriere zu machen. Viele Kollegen an mir vorbeiziehen sehen. Frust auf der ganzen Linie. Eine neue Taktik musste her: Das Pendel von Ehrgeiz wieder zurück schwingen lassen in Richtung Genügsamkeit. Warum sich ins Zeug legen, warum ständig sähen, wenn am Ende nichts geerntet wird? Meine Bewegungen wurden langsamer, mein Denken nebeliger, … „Hauptsache, man ist gesund“.

Und erneut wird wieder die Lethargie überwunden und plötzlicher Ehrgeiz bricht sich Bahn. Jetzt werde ich es den anderen aber zeigen! Wieder zu große Ziele, wieder gescheitert … sieht doch sehr nach falscher Strategie aus, oder?

Gelassenheit

Meine neue Strategie (auf Probe) für die nächsten zwei Jahre sieht ein wenig anders aus. Nämlich: Streiche „Genügsamkeit“ und setze dafür „Gelassenheit“ und verwandle „Ehrgeiz“ in „Strebsamkeit“. Fertig ist das glückliche Leben. Hört sich im ersten Moment an wie Wortklauberei, ist es aber nicht. Schauen wir mal genauer hin.

Genügsamkeit heißt, sich zu bescheiden. Es ist eine passive Haltung. Wenn das Leben mir nicht mehr zugesteht, dann begnüge ich mich mit dem, was übrig bleibt.

Gelassenheit hingegen ist eine aktive Geisteshaltung. Ich selber entscheide. Ich entscheide mich selbstverantwortlich, womit ich Frieden schließe und was ich hinnehmen will, wie es ist. Und ich selber lege fest, wofür ich Verantwortung übernehmen und was ich vorantreiben will. Hier setzt dann die Strebsamkeit ein. Hier gibt es dann kein „ich muss“ oder “ich darf nicht“ mehr, sondern hier weist dann ein „ich will“ den Weg.

Bei Ehrgeiz geht es häufig bereits dem Wort nach darum, andere zu beeindrucken und von anderen „geehrt“ zu werden. Bei der Strebsamkeit hingegen steht im Vordergrund, eigene Ziele zu verfolgen.

Genügsamkeit und Ehrgeiz schließen sich aus. Ich kann mich nicht mit einem ungeliebten Job bescheiden und mir gleichzeitig einen anderen suchen. Nur eins von beidem geht. Zu sehr ist der Begriff „Genügsamkeit“ gleichzusetzen mit „Resignation“.

Anders sieht es aus bei der Kombination aus Gelassenheit und Strebsamkeit. Die Ideen, welche hinter diesen beiden Begriffen stehen, ergänzen und bestärken sich gegenseitig.

In dem Begriff Gelassenheit steckt die Akzeptanz des Status Quo.

Wenn ich mir, während ich mich in Gelassenheit übe, im Klaren darüber werde, dass mir mein Job bzw. die Form, wie ich ihn ausfülle, keine Freude bereitet, dann nehme ich das zunächst einmal so hin. Irgendwelche Umstände haben dazu geführt, dass ich diesen Job habe und irgendwelche Umstände sind der Grund dafür, dass ich unzufrieden mit ihm bin. Ich akzeptiere diese Umstände und kann sie ganz gelassen analysieren. Ich kann mich fragen, was ich tun kann, um mich für diesen Job zu motivieren, oder was ich tun kann, um mir einen anderen zu beschaffen. Diese Veränderungen können schnell oder langsam von Statten gehen, aber auf jeden Fall finden sie ganz selbstverantwortlich statt. Und nicht „ich muss“ bestimmt die Geschwindigkeit von Veränderungen, sondern ein „ich will“.

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